Bausteine eines modernen IAM
5 Bausteine eines modernen IAM: Was heute echte Sicherheit verspricht
Kaum ein Bereich verändert sich so schnell wie die IT-Security. Umso mehr liegt es nahe, dass Unternehmen sämtliche Sicherheitsmaßnahmen stets überprüfen und neudenken müssen – allen voran beim Thema Identitätsschutz. Denn Identitäten sind längst der neue Perimeter. Doch wie sieht ein modernes Identity and Access Management heute aus? Und welche Komponenten dürfen in keiner Architektur fehlen?
IAM ist …
… weit mehr als ein einzelnes Tool. Genau hier lauert die erste Hürde. Denn viele Verantwortliche stempeln IAM vorschnell als erledigt ab, sobald sie eine Lösung für geschützte Mitarbeiteridentitäten eingeführt haben. Dabei muss IAM viel eher als integriertes Set von Identity Services gesehen werden. Schließlich gilt es verschiedenste Identitätstypen mit unterschiedlichen Anforderungen ausreichend zu schützen.
Identitätstypen und ihre Herausforderungen im Blick
Bevor es an die Umsetzung von Schutzmaßnahmen geht, muss also geklärt werden, was es zu schützen gilt. Denn in modernen Unternehmen existieren weit mehr Identitätstypen, die alle unterschiedliche Risiken, Anforderungen und Lifecycle-Prozesse mitbringen. Ein zeitgemäßes IAM muss sie alle abbilden.
Interne Mitarbeiter
Interne Identitäten sind der klassische Ausgangspunkt für IAM. Hier geht es vor allem um klare Prozesse:
- Eindeutige Identitäten von Tag 1 an, idealerweise durch Anbindung an das HR-System
- Automatisierte Zuweisung von Berechtigungen, sobald eine neue Rolle oder Abteilung ins Spiel kommt
- Sauberer Austritt, denn verwaiste Konten bleiben einer der größten Risikofaktoren in Unternehmen
Die Herausforderung: Mitarbeiter wechseln heute häufiger Teams, Aufgaben oder Standorte – und jede Veränderung muss sich im Berechtigungsmodell widerspiegeln.
Kunden und Endnutzer
Bei Kundenidentitäten stehen andere Faktoren im Fokus:
- Selbstverwaltung, zum Beispiel Registrieren, Passwort zurücksetzen, Profil ändern
- Datenschutz und Consent-Management nach DSGVO
- Sichere, aber reibungslose Authentifizierung, die nicht frustriert
Die Herausforderung: Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit müssen im Gleichgewicht sein – sonst springen Kunden schnell ab.
Externe Partner
Externe arbeiten oft projektbezogen, zeitlich begrenzt und mit hoher Dynamik:
- Temporäre Zugänge, die automatisch deaktiviert werden müssen
- Transparenz, welche Rechte ein externer Partner wirklich benötigt
- Geteilte Verantwortung zwischen interner Organisation und Partnerfirma
Die Herausforderung: Zugänge, die „nur kurz gebraucht“ wurden, werden meist nicht mehr gelöscht.
Maschinen-Identitäten
Der am schnellsten wachsende Identitätstyp – und gleichzeitig der am wenigsten beachtete: Non-Human Identities (NHI). Sie lassen sich weiter unterteilen in Dienste, Microservices, Zertifikate, APIs, Bots oder IoT-Geräte.
- Massenhaft kurze Lebenszyklen (zum Beispiel Container, die nur Minuten laufen)
- Automatisierte Rotation von Schlüsseln und Tokens
- Klare Zuordnung, welcher Dienst welchen Schlüssel nutzt
Die Herausforderung: Viele Unternehmen verwalten diese Identitäten heute noch manuell – und genau darin liegt ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
Fünfmal anders – IAM-Bausteine im Wandel
Ist klar, was geschützt wird, können sich Unternehmen dem Wie widmen. Wer über die fünf Bausteine liest und denkt „Das ist doch längst Teil unseres IAM“, sollte aber noch genauer hinsehen. Denn was früher als ausreichend galt, wird heute nicht mehr höchsten Sicherheitsstandards gerecht.
Identity Lifecycle Management
Früher: Lifecycle Management war oft ein technisches Thema: Konten anlegen, sperren, löschen – fertig.
Heute: Identitäten entstehen überall – in HR-Systemen, CRM, DevOps-Pipelines, IoT-Plattformen. Damit wächst die Komplexität massiv.
Was modernes IAM braucht:
- saubere Datenquellen (HR/CRM)
- automatisierte Joiner–Mover–Leaver-Prozesse
- Vermeidung von Schattenidentitäten
- klare Ownership für jede Identität
Auf den Punkt gebracht: IAM geht nicht ohne ein Identity Lifecycle Management, das für Menschen und Maschinen funktioniert.
Identity Governance & Administration
Früher: Rollenmodelle gab es hauptsächlich für Mitarbeiter. Rezertifizierung war ein Audit-Event.
Heute: NIS2, ISO27001, SOC2, DORA verlangen kontinuierliche Governance – und zwar für alle Identitätstypen.
Was modernes IAM braucht:
- rollenbasierte und risikobasierte Governance
- automatische Rezertifizierung (user-, role-, resource-based)
- SoD-Checks (Segregation of Duties)
- nachvollziehbare Entscheidungen im Audit-Log
Auf den Punkt gebracht: Identity Security ist niemals als abgeschlossenes Projekt zu sehen. Damit ist auch Governance kontinuierlich zu beleuchten – was sich mit Tool-Unterstützung deutlich vereinfacht.
Access Management
Früher: Passwort plus Active Directory plus VPN: Dieses Dreigespann galt lange als optimaler Zugriffsschutz. Doch Zeiten ändern sich.
Heute: Cloud, SaaS, Hybrid-Work und Zero Trust verändern die tägliche Arbeitsweise und damit auch Rollen, Rechte und Zugriffe, die beispielsweise über öffentliche Endpunkte sowie Geräte und Verbindungen einzeln bewertet werden müssen.
Was modernes IAM braucht:
- MFA und Passwordless (FIDO2, Passkeys)
- Single Sign-On über OIDC/OAuth2
- kontextbasierte Authentifizierung (Risiko, Standort, Device)
- Service-to-Service Authentication
Auf den Punkt gebracht: Access Management muss zum intelligenten Kontrollpunkt werden, der Identitäten kontinuierlich prüft, Kontext berücksichtigt und sicheren Zugriff überall ermöglicht – unabhängig von Netzwerk oder Standort.
Fine-Grained Authorization
Früher: RBAC-Modelle ermöglichten eine grobe Rollenverteilung, zum Beispiel „Marketing bekommt Rolle X“.
Heute: Pauschale Rollen reichen nicht mehr aus, da sie häufig zu viele Rechte oder auch die falschen verleihen. Unternehmen müssen deutlich präziser steuern, welcher Nutzer oder welcher Dienst welche konkrete Aktion ausführen darf.
Was modernes IAM braucht:
- bereichsspezifische Rechte („lesen“, „editieren“, „exportieren“)
- kontextabhängige Entscheidungen
- Attribute-Based Access Control (ABAC)
- Policy Engines für APIs & Services
Auf den Punkt gebracht: Zugriff ist heute keine einmalige, statische Entscheidung mehr, sondern ein dynamischer Prozess, der sich an Kontext, Risiko und konkreten Aktionen orientiert.
Identity Analytics & Risk Engine
Früher: IAM war lange reaktiv und Unternehmen prüften Logfiles erst, nachdem etwas passiert war. Reagieren statt agieren ist im Security-Kontext stets die schlechteste Vorgehensweise.
Heute: Ein zeitgemäßes IAM braucht kontinuierliche, datenbasierte Risikobewertungen.
Was modernes IAM braucht:
- ML-basierte Anomalieerkennung
- Analyse der tatsächlichen Rechte-Nutzung („usage-based access“)
- automatische Risiko-Bewertungen
- Empfehlungen zur Optimierung
Auf den Punkt gebracht: IAM wird intelligenter. Risiken werden früh erkannt, noch bevor daraus Vorfälle entstehen.
Neuen Anforderungen entsprechen
Unternehmen investieren viel, um den digitalen Wandel aktiv voranzutreiben: Modern Work wird flächendeckend ausgerollt, hybride Arbeitsmodelle etabliert, Prozesse automatisiert und Geschäftsmodelle weiterentwickelt. Doch ausgerechnet im Bereich Security hängen viele Organisationen hinterher. Veraltete Tools, statische Abläufe und überholte Denkmuster treffen heute auf Angriffe, die dynamisch, verteilt und hochprofessionell sind.
Gerade deshalb gehört ein modernes IAM ganz oben auf die Agenda. Denn Identität ist längst der zentrale Angriffspunkt – und gleichzeitig der Schlüssel zu echter Widerstandsfähigkeit. Wer sein IAM jetzt nachrüstet und die fünf Bausteine in eine ganzheitliche Strategie überführt, schafft eine stabile Grundlage, um alle Identitätstypen zu schützen, Compliance-Anforderungen zu erfüllen und Sicherheitsrisiken nachhaltig zu reduzieren.
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